InDesign CC: Die erste Runde an neuen Funktionen

Vorgestellt am 06. Mai 2013, werden die neuen Versionen der Adobe Programme allerdings erst voraussichtlich am 17. Juni zum herunterladen und installieren verfügbar. Doch die Creative Suite Serie verschwindet. Es heißt jetzt InDesign CC (Creative Cloud). Nur noch vorhandene Boxen von CS6 werden verkauft. Die CS6 Serie kann aber noch weiter elektronisch erworben werden. Die neuen Programm-Versionen sind dann aber nur noch über ein Creative Cloud Abo zu bekommen oder einzeln anmietbar. Ohne jetzt über Sinn oder Unsinn eines solchen Geschäftsmodells zu schreiben oder gar nachzudenken, gehe ich zu den neuen Funktionen von InDesign CC.

Auch bei diesem Release habe ich meine persönlichen Eindrücke in die Liste einfließen lassen. Aber urteilt lieber selbst:

Performance

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InDesign ist jetzt 64 bit. Das bedeutet einen Performance Schub, wenn genug RAM Speicher und Prozessorleistung vorhanden ist. Sie müssen allerdings auch ein 64 bit Betriebssystem installiert haben.
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InDesign wurde Carbon Neutral. Dies hat nichts mit der Umwelt zu tun. Sondern mit der Entwicklerumgebung "Carbon" auf dem Mac. Diese wurde durch das neuere "Cocoa" ersetzt. Zwar ist dieser Schritt sicher sinnvoll und auch etwas Zukunftssicher, jedoch auch das Problem mit sich bringt, dass der komplette Quellcode gewechselt werden musste und InDesign somit zu einer 1.0 Version auf dem Mac macht. Man sollte also damit rechnen, dass InDesign in der ersten Zeit nicht ganz stabil läuft.

Benutzeroberfläche

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Drover, bekannt von Illustrator CS6 und Photoshop CS6 wurde auch in InDesign integriert. Auch wenn man auf eine helle Version umschalten kann, ist diese doch etwas dunkler als vorher. Die Schriftgrößen der Dialoge sind auch teilweise sehr klein, was die Benutzung anstrengender macht. Sorry Adobe, aber derzeit kann ich mich nicht mit der dunklen UI in InDesign anfreunden.
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Die Benutzeroberfläche ist jetzt HiDPI. Die Icons wurden für Retina Displays überarbeitet. Von dem was allerdings bisher sichtbar ist, sind diese Icons teilweise unausgewogen platziert. Da muss nachgebessert werden.

Allgemein nutzbare Funktionen

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Filter bei der Schriftensuche
Hat man vorher im Schriftenmenu immer den Schriftnamen von Anfang an voll eintippen müssen, können jetzt nur Teile des Schriftnamens oder gar nur deren Schriftschnitte eingegeben werden um spezifischer zu suchen.
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Schrift Favoriten
Den Schriften kann ein Favoritentag zugewiesen werden und es kann ausgewählt werden nur diese Schriften anzuzeigen.
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Schriftenvorschau bei Text
Sofern ein Text angewählt ist und man durch die Schriften navigiert, wird der ausgewählte Text in der Schrift angezeigt auf welcher sich gerade der Mauszeiger befindet. Bekannt aus Illustrator und nützlich für InDesign.
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Vorschau beim Dokumente anlegen
Sicherlich sehr praktisch in der ersten Zeit. Doch wer viel mit Presets arbeitet, braucht diese Funktion nicht.
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Das neue Exchange Panel ist bereits seit CS6 bekannt und nutzbar. Nichts neues, aber praktisch.
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Desktop Fonts aus der Cloud
Mit einem neuen Application Manager können Schriften aus Typekit auch für die Print und DPS Gestaltung genutzt werden. Welche Schriften es geben wird und wie diese Schriften außerdem genutzt werden können, bleibt abzuwarten.
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Über den Creative Cloud Speicherplatz, können die InDesign Daten mit anderen geteilt und bearbeitet werden. Es gibt ein Tracking der Änderungen. Wer so eine Light Version braucht?

Für Printgestalter

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Es können nun QR Codes in InDesign erstellt werden. Praktisch ist es zwar. Allerdings ist es auch kein killer Feature und einige deutlich günstigere oder gar freie Apps können den Job mit mehr Funktionen, besser machen.
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Ansonsten keine neuen Funktionen für Printgestalter! Fußnoten sind wieder mal auf der Strecke geblieben. Schade, Schade!

Für DPS und Liquid Layout Benutzer

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Nicht eine neue Funktion oder Weiterentwicklung. Für das ach so gepriesene Alternate und Liquid Layout aus CS6, ein deutlicher Rückschritt. Ich hatte mir eine Fortsetzung erhofft.

Für ePub Bastler

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Ein automatisch erstelltes Inhaltsverzeichnis kann jetzt inline (also als Text innerhalb des ePub's) mit den Links zu den Artikeln erzeugt werden.
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Ein mit InDesign erstellter Index wird mit in die ePub-Datei übernommen.
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Kein CSS erstellen bedeutet nun auch kein CSS erstellen.
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Ein neuer Fehlerdialog beim Export (leider erst wenn das ePub exportiert wurde) zeigt Fehler in der InDesign-Datei die zu Konflikten beim ePub führen können. Unter anderem werden Namenskonflikte von Tags angemerkt.
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Mit "CSS übergeben" oder auch deaktiviert kann jetzt auf Formatebene entschieden werden, welche Formate in die CSS-Datei exportiert werden. Dies hört sich unspektakulär an, ist für mich persönlich allerdings eine enorme gewinnbringende Neuerung.
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Objektformate sind nun teil der Tagging Struktur und enthalten endlich die Eigenschaften aus den Objektexportoptionen.
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Das Disaster der Listen (war für mich Keines, ich passe mich nur der allgemeinen Meinung an) aus CS6 wurde Größtenteils behoben und der Umgang mit Listen sollte nun deutlich besser klappen.
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Die Implementierung der ePub 3 Spezifikationen wurde deutlich verbessert.
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Die eingebetteten Schriften können endlich in iBooks dargestellt werden. Die spezielle XML-Datei welche von iBooks dafür benötigt wird, ist bereits im ePub enthalten.
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InDesign CS6 hat für die Namensgebung der CSS Selektoren ein Chaos veranstaltet. Diese automatisch erzeugten Namen wurden jetzt in Kategorien unterteilt und sind transparenter zu verstehen.
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Die japanischen Ruby Tags werden nur noch erstellt, wenn diese auch benutzt werden.
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Die page-break sowie widow und orphan Tags werden nun mit in das CSS übergeben.
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Zudem gibt es noch weitere kleinere Neuerungen die keine separate Erwähnung finden müssen, jedoch das Leben mit ePub etwas leichter machen.
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Es werden reflowable ePub's hergestellt. Doch Kästen werden mit festen Pixelgrößen ausgegeben. Da müssen endlich dynamische Maßeinheiten her.
Die meisten Neuerungen gibt es wohl bei ePub. Und gerade Diese werden nicht offiziell genannt. Auch wenn der normale Benutzer damit nicht in Berührung kommt, sollten diese Verbesserungen doch mehr Erwähnung finden.

Wer Interesse an den neuen ePub-Funktionen hat. Die neue Edition von ePub für (In)Designer ist in Arbeit. Schaut regelmäßig auf diesem Blog vorbei. Ich werde es sicherlich direkt hier bekannt geben, wenn das neue Buch soweit fertig ist.

Einige Infos zu der Creative Cloud Version

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Die CC Programme werden noch immer auf dem Computer installiert. Es sind keine Webanwendungen und die Daten können auch noch immer wie gewohnt auf dem Computer verarbeitet und gespeichert werden.
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Sie dürfen die Programme auf zwei Computern installieren, solange Sie diese nur auf einem Computer zur gleichen Zeit benutzen.
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Laut Adobe sollen die Programme nun Regelmässig mit neuen Funktionen aktualisiert werden. An sich eine sehr schöne Idee und deshalb auch Daumen hoch. Doch die Zeit wird es zeigen ob dem so ist und wie Firmen in der täglichen Produktion sowie aber auch Verlage und Autoren zum Vermitteln der Informationen, damit umgehen.
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Das Creative Cloud Konto enthält eine Archiv Funktion wobei auch Rückwirkend auf ältere Programmversionen (ab CS6 und neuer) zurückgegriffen werden kann.
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In der CC-Version darf die Programmsprache frei ausgewählt oder durch Neuinstallation geändert werden. Dies betrifft auch die Middle East und CJK Edition, welche mittlerweile von Adobe weiterentwickelt wird.
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Ist Ihr Abo abgelaufen, wird auch die Lizenz ungültig und Sie können die Programme nicht unbegrenzt weiterbenutzen.
Sollte ich noch etwas vergessen haben, bitte ich euch mir dies zu melden. Ich werde es meiner Liste hinzufügen.

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Was ist neu in InDesign CS6? Top oder Flop?

CS6 ist da. Mit den gewohnten Creative Suite Paketen und dem neuen Creative Cloud Mietmodel möchte Adobe eine neue Ära einleiten.

Seiten wie Adobe, Video2Brain, Lynda.com, indesignsecrets.com bieten bereits eine gute Übersicht über die neuen Funktionen und es benötigt nicht unbedingt noch mal eine Selbige auf indesign-world.com. Deshalb habe ich mich entschieden auch mal die negativen und oftmals ungezeigten Seiten der neuen Funktionen zu erwähnen.

Alternatives Layout:
Man kann mehrere Layouts in ein Dokument einbinden. So kann eine horizontale Version sowie eine vertikale Version, z.B. für das iPad sowie ein sogenanntes Rendition wie z.B. eine iPad 3 Version in einem Dokument aufgebaut werden. Schade allerdings, dass das Grundlinienraster (mit dem sehr häufig gearbeitet wird) nicht pro alternative Version angepasst werden kann. So ist die Grösse vom neuen iPad Display doppelt so hoch und so breit wie seine Vorgänger. Wird jedoch mit einem Grundlinienraster gearbeitet, kann die Gestaltung nicht ohne weiteres auf die doppelte Grösse gebracht werden. Selten fängt das Grundlinienraster einer horizontalen und vertikalen Version auf derselben Position an. Somit muss bei Anwendung eines Rasters mit Bedacht gearbeitet werden.

Alternatives Layout und die ADPS:
Mehrere Renditions in einem Dokument werden nicht vom Folio Builder erkannt.
Eine im Dokument hinterlegte Aufteilmöglichkeit gibt es auch nicht. Um also ein digitales Magazin zu erzeugen muss man pro Kapitel und pro Rendition jeweils eine separate Datei erstellen.
Im Endeffekt ist die Arbeit mit alternativen Layouts in der ADPS nicht sehr vorteilhaft. Schade Eigentlich. Denn die Idee ist gut.

Liquid Layout:
Liquid Layout (dynamische Anpassung an die Grösse der Quelle) ist eine tolle Funktion und wird wohl Schätzungen nach bei ePub, HTML und digitalen Publikationen, Verwendung finden. Die dortige Integration ist allerdings noch nicht vollzogen und so können Liquid Layouts derzeit nur in InDesign selber ausprobiert werden. Ob diese Funktion jetzt schon zum Einsatz kommen wird, muss sich wohl noch zeigen.

Flexible Textgestaltung:
Hier fehlt eindeutig ein Maximalwert oder eine Randbegrenzung. So kann ein Text sich nach belieben auf der Seite ausdehnen. Hier ist noch eindeutig ein Handlungsbedarf seitens Adobe.

Interaktive HTML-Elemente:
Die integrierten Animationen sind noch immer nur Flash. So muss man den Umweg über interaktive HTML-Elemente wählen sind HTML-Animation aus Edge, Hype und Motion Composer erwünscht. Einige HTML Inhalte wie eine Google Karte sind nicht dynamisch und werden beim Liquid Layout nicht mit vergrössert oder verkleinert. Ein manuelle Anpassung ist notwendig.

ePub:
  • Kein "Margin Top" mehr.
  • Unübersichtlich viele Styles/CSS-Klassen.
  • Verankerte Kasten bei einem reflowable ePub haben fixe Grössenwerte.
  • Die neuen Listen beinträchtigen die Barrierefreiheit und den Lesefluss. Nacharbeiten an den Listen sind Aufwändiger.
  • Adobes Antwort auf fixed Layout ist experimentell und befindet sich noch in der Entwicklung. Einen Reader dafür gibt es noch nicht.

Mir ist schleierhaft welche Verbesserungen diese Änderungen bringen sollen.

Fussnoten Wünsche:
Ignoriert und ausgelassen.


Das soll nicht heißen dass InDesign CS6 schlecht ist. PDF Formen, PNG Export, Export interaktiver Adobe PDF-Seiten, Berechnungen für Eingabefelder, PDF-Export in Graustufen, ... sind durchaus Funktionen die zu schätzen sind.

Ich arbeite sowohl an ePubs, sowie mit der ADPS als auch an Printdokumenten und muss sagen, dass die Entscheidung ob ein Upgrade oder kein Upgrade gemacht werden soll, selten so schwer fällt. Irgendwie wollen die positiven Aspekte, die negativen Aspekte nicht überzeugend genug übertreffen.

Für die Trainings und Workshops wird CS6 gebraucht. In der Produktion sollte man abwägen ob CS5.5 nicht doch noch seinen Dienst erledigt und gewartet werden kann bis die Kinderkrankheiten beseitigt sind. Zumindest dies sollte uns CS5 gelehrt haben.
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